Möbel-Check: Gebrauchter Sessel

Stil-Polstersessel sind nirgendwo so günstig zu bekommen wie secondhand. Doch noch zwei weitere Gründe sprechen dafür sich für ein gebrauchtes Exemplar zur entscheiden: Zum einen stammen solche Möbel aus einer Zeit, in der anstelle von Möbelbauplatten Massivholz verarbeitet wurde – was also für ihre Qualität spricht. Außerdem ist ihnen bereits auf den ersten Blick anzusehen, dass sie toll gebaut sind – was wiederum für ihren unwiderstehlichen Charme spricht. Alles bestens, wenn bei genauerer Betrachtung nicht die eine oder andere optische Enttäuschung der guten Schnäppchenlaune einen Dämpfer verpassen würde. Denn: Das Alter geht auch an Polstermöbeln nicht spurlos vorüber.

Ich kann dir nur empfehlen nicht gleich den Spaß an der Sache zu verlieren, sondern das Objekt deiner Wahl genauer zu überprüfen. Ist nämlich nur die Optik getrübt, kann es mit wenigen Handriffen schon bald in altem Glanz erstrahlen. Liegen die Probleme tiefer, entscheiden die Kosten, ob sich eine Generalüberholung lohnt.

Vor dem Kauf brauchst du eigentlich nur zu wissen, auf welche Punkte du besonderes Augenmerk legen solltest – und genau die verrate ich dir hier: 

Möbel-Check gebrauchter Sessel #1:  Die Reinheit des Polsterbezuges

An den Stellen mit viel Körperkontakt wird der Bezug (siehe Mitte des Rückenteils und der Sitzfläche sowie an den Armauflagen) sehr strapaziert und sichtbar in Mitleidenschaft gezogen. Das Ergebnis sind vergilbte bzw. angegraute Stellen. Dieses Problem lässt sich mit handelsüblichem Polsterreinigungsschaum ohne Probleme aus der Welt schaffen.

Möbel-Check gebrauchter Sessel #2: Die Textilqualität

Strukturwebstoffe neigen zu Pillingbildung, was sich in kleinen Knötchen und Flusen bemerkbar macht. Dieser Zustand mindert zwar nicht die Qualität, geht aber zulasten der Optik.

Solltest du bei feiner gewebten Textilien abstehende Fäden bemerken, sieht das hingegen nicht nur unschön aus, sondern erhöht signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass der Stoff demnächst einreißt.

Veloursstoffe (also Stoffe mit Flor) sind sehr heikel, was ihr Äußeres betrifft. Hier entsteht sehr schnell ein Sitzspiegel. Das heißt, dort wo gesessen wird, ist der Flor zusammengedrückt, was dazu führt, dass der Bezug abwechselnd zwischen hellen und dunklen Schattierungen changiert. Ob du damit leben willst, oder den Bezug lieber wechselst, ist reine Geschmackssache. Auf die Qualität hat dieser Umstand keinen Einfluss.

Nimm auf jeden Fall sämtliche Kanten des Polstersessels genau unter die Lupe. Denn vor allem hier wird der weiche Textilflor schnell weggescheuert.

Möbel-Check gebrauchter Sessel #3: Die Polsterung

Von der Polsterung hängt der Sitzkomfort des Sessels ab. Eingeschobene Sitzkissen, die schon auf ein langes Wohnleben zurückblicken können, sind häufig platt gedrückt. Sie lassen sich aber mühelos wieder auffüllen (z. B. mit Schaumstoffflocken) und in Form bringen. Bei mangelhaften Federkernaufbauten hingegen führt kein Weg am Profi vorbei.

Möbel-Check gebrauchter Sessel #4: Die Nähte

Das Körpergewicht des Vorbesitzers war eine gewaltige Belastungsprobe für die Nähte. Aufgerissene Stellen sind ja unübersehbar. Aber auch wenn alles okay zu sein scheint: Erst wenn du die Nähte auseinanderziehst bzw. spannst, erkennst du den tatsächlichen Zustand des Stoffes und des Garnes. Würde während der Zerreißprobe der Stoff einreißen oder sollten die Nähte platzen, hat das Textilmaterial im Laufe der Zeit zu viel gelitten und müsste ersetzt werden.

Möbel-Check gebrauchter Sessel #5: Die Möbelfüße

Häufig schlägt man beim Sitzen unwillkürlich mit seinen Schuhe gegen das empfindliche Holz der Möbelfüße. Das ergibt oberflächliche Kratzer und hat oft ein Absplittern des Lackes zur Folge. Allesamt Wehwehchen, die sich mit feinem Schleifpapier sowie ein wenig Farbe gut behandeln lassen und schnell wieder unsichtbar sind.

Möbel-Check gebrauchter Sessel #6: Die Belastungsprobe

Überzeugt dich der Polstersessel optisch auf ganzer Linie, muss er nur noch die Belastungsprobe bestehen. Rüttel und schüttel ihn und lass dich hineinfallen: Falls nichts wackelt und das Material weder stöhnt noch ächzt, kannst du davon ausgehen, dass die Holzverbindungen intakt sind und deinem Körpergewicht auf Dauer standhalten werden.
Aufgepasst: In fast jeder Großstadt werden spezielle Volkshochschulkurse angeboten, in denen du unter fachkundiger Anleitung dein eigenes Polstermöbel auf Vordermann bringen kannst. Du brauchst nur eine Kursgebühr bezahlen, für die Materialkosten aufkommen und natürlich Zeit und dein Werkstück mitbringen. Einfach mal das Kursangebot in deiner Nähe checken!

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